Bericht von

Kurt Brodmann

Fünfzehn Jahre alt war Kurt Brodmann zur Zeit der Novemberpogrome. Hier schildert er seine Erinnerungen daran, wie seine Mutter ihre Fahrkarte ins sichere Shanghai verschenkte, um sich um seinen Großvater zu kümmern.

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Kurt Brodmann mit seiner Mutter Franziska Brodmann (Wien 1923)

„…er konnte gar nichts mehr machen als Jude“

„Mein Großvater war ein schwerkranker Mann. Er wurde 1938 aus seiner Wohnung geworfen, durfte in kein Hotel, durfte auf keiner Bank sitzen, er konnte gar nichts mehr machen als Jude. Er hat gestunken, weil er sich nicht waschen konnte, und meine Mutter hatte die Ausreise nach Shanghai. Sie hat gesagt: ‚Ich muss verzichten, ich lasse meinen Vater nicht allein hier in diesem Zustand.‘ Meine Mutter gab ihrer Schwester, der Tante Anni ihre Fahrkarte. Mein Vater und Tante Anni sind zusammen nach Shanghai geflüchtet.

„Sie hatte auf die Flucht nach Shanghai verzichtet und nun kam sie nicht mehr weg.”

Meine Mutter hat dann Unmenschliches geleistet, bis der Großpapa im Januar 1939 gestorben ist. Dann hat sie ihn noch begraben, hier am Zentralfriedhof am 4. Tor. Er liegt mit meinem Onkel Artur, seinem Sohn, zusammen in einem Grab. Sie hatte auf die Flucht nach Shanghai verzichtet und nun kam sie nicht mehr weg. Sie ist jeden Tag, sie hat ausgeschaut wie eine Christin, auf die Kultusgemeinde gegangen und hat gesagt: ‚Mein Mann ist in Shanghai, ich muss zu ihm.‘“
Großes Foto oben:

Kurt und Erika Brodmann, Leopold und Franziska Brodmann, Harry und Joyce Brodmann und Verwandte zu Besuch in Israel

Foto aufgenommen in:

Tel Aviv-Yaffo

Interviewte Person:

Kurt Brodmann

Zeitpunkt des Interviews:

2002

Interviewerin:

Tanja Eckstein

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Die gesamte Biographie von Kurt Brodmann findest du hier. Du kannst zudem viele weitere Fotos der Familie von Kurt Brodmann in der Centropa-Fotodatenbank finden.

Lernmaterialien

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Autor der pädagogischen Texte:
Lowell Blackman (Lod, Israel)

Ressourcen

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Die Zeitzeugenberichte auf dieser Website bieten nur einen ausgewählten Einblick in die Geschichte um die Novemberpogrome 1938.

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Das Foto im Hintergrund zeigt ein zerstörtes Schuhgeschäft in Wien am 10.11.1938
(Foto: Wiener Library/DöW F. Nr. 6392)

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